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Sonderbare Momente - Strange Moments

 

Jede/r Fotograf*in kennt diese Situation:

 

Du stehst irgendwo draußen, hast dir ein feines Plätzchen ausgesucht und fängst an, dein ausgewähltes Motiv zu beobachten. Siehst dir die Lichtverhältnisse an, nimmst deine Kamera und fängst an zu arbeiten. Klick, kontrollieren, nachbessern, nochmal. Doch mehr heranzoomen, besser mit Weitwinkel? Zeitautomatik einstellen. Klick. Ansehen, kontrollieren, bis.... Ja, bis Männer (meistens einer alleine oder mit Frau drei Schritte dahinter), die des Weges vorbei kommen, die völlig ungefragt aus dem absoluten Nichts heraus anfangen ein Technikgespräch zu führen. Welche Brennweite meine Kamera denn habe und mit einem unangenehmen sehr  Nahekommen Richtung meiner Kamera (also mir), ja, aha, naja... ER habe ja eine Olympus 30XG4.5 und die sei einfach besser. Aha. Okay. Ich zücke also wieder meine profane, unerhebliche und schlechte Kamera (wie ich ja gerade erfuhr) und möchte weiter arbeiten. Ob ich denn auch andere Objektive habe? Ja. Habe ich und versuche den Aufdringling (die ihn begleitende Frau bleibt völlig regungslos im Hintergrund stehen) zu ignorieren. Ich schaue unbeirrt durch meine Linse und hoffe auf einen leises Ende dieser ungewollten Begegnung. Ein kleiner Redeschwall über seine Fotografen-Vita, seiner Naturerlebnisse in Wanne-Eickel schwallen mir noch ins Ohr und er trollt sich endlich von dannen (und sie scheint doch lebendig zu sein und läuft dann sehr leise an mir vorbei). Im übrigen sei der Standpunkt da oben auf dem Hügel besser für ein Photo, ruft er mir noch laut zu und fuchtelt mit seinem Arm Richtung Hügel. Ja, hm okay. Danke. Durchatmen, langsam wieder Konzentration aufnehmen, fokussieren und weiter geht´s mit dem Einfangen eines besonderen Momentes des ausgesuchten Motivs.

Frauen hingegen, die ebenfalls alleine oder zu zweit des Weges vorbei kommen, lächeln vorher mich demonstrativ an und fragen dann, was ich denn fotografieren würde. Ihr schnelles Herumschauen, ihr kurzes Suchen verrät, dass sie unbedingt jetzt auch sehen möchte was ich gerade entdeckt zu haben scheine. So schnell ist aber nichts zu erkennen und dann der an mich fragend gerichtete Blick. Ich möchte antworten, auf das Motiv aufmerksam machen, aber mit einem Schlag ist die Aufmerksamkeit der Fragenden weg. Kein Bang! Motiv? Sofort wird das Handy in der Hand aktiviert, um mir dann die dreihundertundfünfzigtausend Fotos von Wuffi, vom Schatzi und dem Ausflug am Baggersee mit Sonnenuntergang auf ihrem Handy zu zeigen. Sie würde auch fotografieren, sehr viel sogar und die Handyaufnahmen seien ja einfach nur genial, nicht wahr? Ja. Natürlich. Ganz toll. Auch diese Begegnung wird zu einer ungewollten, denn es ist weder an mir Handyfotos zu begutachten noch will ich es. Und ein Gespräch entstand leider auch nicht.

 

Ich werde also auf zweierlei Weisen in einen Dialog gezwungen, der gar kein Dialog ist. Ich bin mit meiner Erscheinung und mit meinem Werkzeug in der Hand nur ein Mittel zum Zweck der Selbstinszenierung mir völlig fremder Menschen. Als Journalistin bin ich von Hause aus neugierig, will wissen, frage nach und genieße den Moment einer wunderbaren Begegnung. Als Photographin hingegen bin ich nur mit mir, meiner Kamera und meinem Motiv zusammen. Alles andere stört. Aber wenn es sich um eine "angenehme Störung" handelt, springt die Journalistin in mir sofort ein und übernimmt das Ruder. Der Moment der oben dargestellten Begegnungen lösen in mir jedoch nur eines aus: Völlig verdutzt drein schauen. Ein kurzes Kopfschütteln und ein inneres Nachfragen, was das denn gerade war? Diese Momente passieren zu Hauf und meine gute Kinderstube gebietet mir freundliches Verhalten. Also lasse ich mich freundlich benutzen für die kurze verbale Müllausschüttung.  Oder sollte ich es ungeduldig angehen, wenn mir Wuffi von hinten, vorne, schlafend, bellend, fressend, sabbernd gezeigt wird?  Dazu den nahezu unerträglichen Schwall der Erklärung wann, wie und wo diese wunderbaren Aufnahmen entstanden sind, anhören? Ich schaffe es kaum noch abzunicken, zu lächeln (was eher ein eingefrorenes Grinsen ist) und auch noch zuzuhören. 

 

Und tue es doch. Ich kann dem kurzen Moment mit der Frau, die mir ihr Herzallerliebstes zeigt, ihre Liebe zu ihrem Wuff offenbart, ihrer Suche nach Bestätigung mehr "abgewinnen" und diese dann von Mensch zu Mensch auch geben, als dem Mann, der mich vor allem eins nur wollte: Mich belehren und mich benutzen. Wie bereits gesagt, aus dem völligen Nichts heraus bin ich ein Objekt seiner Begierde. Seiner Begierde seine scheinbare Überlegenheit im Hier und Jetzt zu demonstrieren. Da es nur holpernd und für ihn nicht wirklich befriedigend funktionierte, schob er halt noch eine lauten Ausdruck seiner Besserwisserei nach.

 


   

Every photographer knows this moment:

 

You stand somewhere outside, you found a beautiful place and start to watch your motive. You look at the light conditions, take your camera and then start to work. Click, check, touching up. Once again. Click, check until... Yes, until men (mostly one alone or with a woman three steps behind him) who just come along and totally unasked from the absolute nothing start to have a technical discussion. What focal length my lens has and while questioning his searching movement towards my camera is more than unpleasant. Ah, yes, aha, okay, well HE has a Olympus 30XG4.5 and nothing at all to compare with. Absolutely the best. Okay, thanks. So I pick up my profane, irrelevant and bad camera (I just have been told) and want to go on with my work. He doesn´t realize my body language and asks whether I do have other camera lenses. Yes. I do and try to ignore this very obtrusive person (the accompanying woman remains motionless at the background). So I look undeterred through my lens and hope for a very soon and quite end of this unwanted meeting. But that was wrong: A little flood of words about his life as photographer (?!)- without camera by himself- and his nature experiences somewhere in the middle of narrow mindedness swash into my ears and finally he toddles off (much to my astonishment: The woman in the background is alive and passes me very silent). By the way the place on the top of the hill is better for a photo, I hear him shouting loud out to me while he was flailing with his arms towards the hill. Yes. Okay. Thank you for that I whisper to myself. Breath deeply, slowly start to concentrate again, focus on the motive and hopefully catching a magic moment with my lens.

 

By women on the other hand, who walk either alone or with a companion, smile demonstrative at me and asking me then what I´m photographing. They quickly dig and watch hectic around what I might have seen they missed out. But not so easy to recognize and focusing me expecting a quick answer. I want to answer, I would like to show but suddenly at a single blow there is no attention anymore. No peng! motive? Immediately the mobile is handed and the threehundredfiftythousand pics from Woofy and Honey and the day by the lake with sunset are have to been shown to me. She also is photographing, actually very much and the pics taken by the mobile phone are brilliant. Yes. Sure. Really excellent.  So this meeting also turns into a unwilling one, because it is neither up to me to inspect mobile pics nor do I want to do so. And unfortunately there was no chat, no conversation.

 

So I am in a two-fold way obliged to have a dialog which is not a dialog. With my appearance and my hand tool I´m used as a means to an end for the self-staging from totally foreigners. As journalist I use to be curious, I want to now, I ask and enjoy the very great moment of a wonderful encounter. As a photographer on the other side I´m only with myself, my camera and the motive. Everything else disturbs. Unless it is a nice disturbance, I immediately jump into the other side of myself and am a journalist.

But the two mentioned meetings above release only the one reaction: I have baffled look, shake my head and ask myself what just had happened? These moments happen very often and my good upbringing demands me to be friendly. So I let myself being used for a short verbal trash distribution. Or should I be more unpolite, when somebody shows me Woofy backside, in front, sleeping, barking, gorging and slobbering? And should I listen to the nearly unbearable explanations where and how and when these pics where taken from? I cant really manage to smile (nearly frozen smile) and to listen while I´m terrible bored.

 

And yet I still do so. This one little moment with a woman who shows me her dearest, shows me her greatest love to her doggy and in search of agreement, approval is for me absolute precious and can be given to her. Just in opposite to the man. He only wanted to do one thing: To teach me. As already said out of the totally nothing I turned to an object of his desire. His desire obviously to show me his superiority. It didn´t really work for him so he had so shout out loud his know-it-all-attitude.

 

 


Annette Swart Photojournalist

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